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Peter Fitzek kurz vor dem Endsieg?

13/06/2013
Brandenburger Tor im Mai 1945

Das Deutsche Reich unmittelbar vor dem „Endsieg“ (März 1945). Steht das „Königreich Deutschland“ ebenfalls vor einem solch unglaublichen Triumph?

2x billig bei Ikea abgekupfert: Das rechte Schmuddelblog Der Honigmann sagt… nennt sich im Untertitel „Der etwas andere weblog…“ und das vermeintliche Nachrichtenportal Extremnews meint, es bringe „Die etwas anderen Nachrichten“.

„Extremnews“ – eine Seite mit vielen Rechtschreibfehlern und einem Verantwortlichen, der angeblich in Uruguay sitzt. Nicht nur das wirkt suspekt, sondern auch die angebotenen Inhalte: u. a. wird für den „englischen Geistheiler Karma Singh“ mit den Worten „Fernheilung ist auch per Video möglich“ geworben.

Überhaupt finden sich auf „Extremnews“ auffällig viele Beiträge über diesen Karma Singh, der zu den Unterstützern Peter Fitzeks gehört.

„Extremnews“ bezieht ebenfalls Position für Fitzek: „Königreich Deutschland weiter auf dem Vormarsch“, titelte man jüngst. Natürlich ist die Frage erlaubt, wie etwas auf dem „Vormarsch“ sein kann, das gar nicht existiert. Der Artikel ist folglich ein groteskes Konglomerat, in dem die Phantastereien des „Obersten Souverän“ über den grünen Klee gelobt werden. Auf der gleichen Seite ist auch ein Video eingebunden, das „Extremnews“ am Tag der offenen Tür im „Königreich Deutschland“ gemacht habe – auch dieses Filmchen ist nichts weiter als plumpe Propaganda.

Im Artikel darf sich Fitzek erneut über den Polizeieinsatz im April auslassen: die ursprünglich 100 „BRD-Bediensteten“, die sein „Königreich“ heimgesucht hatten, werden nunmehr auf 200 Beamte aufgerundet. „Viel Feind‘ viel Ehr‘“ zu stehen, scheint die Prämisse zu sein.

Die Aktion ist für ihn ein Indikator dafür, dass das Königreich Deutschland dem bestehenden System „nicht nur ein Dorn im Auge“ sei, sondern „scheinbar auch richtig gefährlich werden“ würde, […], so Fitzek. „Diese Aktion hat gezeigt, wie sehr das alte System mit dem Rücken an der Wand steht und versucht, sich mit Händen und Füßen gegen seinen eigenen Untergang zu wehren, aber dieser wird nicht aufzuhalten sein.

Derartige Plattitüden werden innerhalb der Szene mantraartig wiederholt: Frühwald, Honigmann und sonstige „Reichsdeutsche“ – jedes Mal wenn Hausdurchsuchungen oder Gerichtsverhandlungen anstehen, wird der Bundesrepublik Deutschland attestiert, dass sie in den letzten Zuckungen liege. Die Bundesregierung kennt Fitzek nicht, die Bevölkerungsmehrheit hat ebenfalls noch nichts von ihm vernommen. Lediglich die Bafin und örtliche Behörden kümmern sich um den Wittenberger, zumal der begründete Verdacht besteht, dass er und seine Anhänger gegen geltendes Recht verstoßen.

Die Loslösung vom alten System sei notwendig, da sonst alle Menschen zwangsweise enteignet werden würden, wofür die Voraussetzungen rechtlich schon vorliegen und was die internationale Hochfinanz laut Peter Fitzek zügig vorranbringen würde.

Das mit der „Zwangsenteignung aller Menschen“ ist selbstverständlich Mumpitz, und was den von Fitzek häufig verwendeten Begriff „Hochfinanz“ angeht, so ist dieser äußerst problematisch, wie ein Bericht auf hagalil.com aufzeigt: Rechtsradikale Propaganda und wie man sie widerlegt

Zum Ende des „Extremnews“-Artikels wird besonders deutlich, wie sehr sich Fitzek bereits aus der Realität verabschiedet hat:

So wie der menschliche Körper Akkupunkturbahnen und Meridianlinien aufweist, habe auch die Erde solche Energiebahnen, in die man Energie hineingeben oder abzapfen könne.

Wittenberg, die Stadt, in der Fitzek lebt, sei ein besonderer Ort, dessen Kirchen auf das magische Zentrum Europas, die Externsteine bei Detmold, ausgerichtet seien. Deshalb habe die Kanzlerin ihren Wahlkampf auch in Wittenberg gestartet.

Fitzek-Video

Bild anklicken, um das Video zu sehen!

Was den Videofilm angeht, so hält das „Staatsoberhaupt“ zunächst einen Vortrag vor einer Zuhörerschaft, die aus ca. 40 Personen besteht. Auch hier spricht er über sein Lieblingsthema, den angeblichen Überfall, den Bafin und Staatsanwaltschaft auf ihn verübt hätten. Einige Augenblicke später wird Fitzek in einem Lampenladen sitzend gezeigt … er spricht – na worüber wohl? – über den Polizeieinsatz im „Königreich“…

Anschließend sagt er Dinge voraus, die nie eintreten werden:

Der nächste Schritt wird sein, dass wir eigene Gemeinden bilden und diese Gemeinden aus der Bundesrepublik Deutschland herauslösen. […] So wird die BRD Schritt für Schritt […] in den Hintergrund treten können. (Minute 4:18)

Die Freiheitliche demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland glaubt er beseitigen zu können:

Ich werde mein Bestes geben, dass das alte System so schnell wie möglich abgelöst werden kann durch ein besseres neues. (Minute 5:08)

Ab Minute 7:08 hält Fitzek einen rosafarbenen Wisch in die Kamera – der Zettel soll belegen, dass Bedienstete des „alten Systems“ sich ihm angeschlossen hätten. Es handelt sich um ein Polizeiprotokoll, in dem Fitzek „bestätigt“ wird, dass sein Beruf „Staatsoberhaupt“ sei und seine Staatsangehörigkeit „Königreich Deutschland“ wäre. Bundeskanzlerin Angela Merkel reist durch die ganze Welt, trifft Regierungschefs, trifft Entscheidungen von internationaler Tragweite. Und die staatsmännische Qualifikation Fitzeks? – Der hält einen Stück Papier, von einem unfähigen Provinzpolizisten ausgestellt, in der Hand und zeigt es stolz seinem Publikum.

Peter Fitzek faselt von einer „Räterepublik“, und es wird deutlich, wie sehr er von der DDR geprägt wurde, dass er sich innerlich nie von diesem Unrechtsstaat gelöst hat. Russland, der große Bruder der DDR, führte das Rätesystem übrigens im Jahr 1905 ein. Das Ergebnis war ein Fiasko, das Millionen Todesopfer forderte und schließlich in der Gewaltherrschaft Stalins mündete.

Und ich würde mir für die nächsten Jahre wünschen, dass wir dann frei sind vom alten System, so dass jeder Mensch wählen kann […]. Ob er unserer Ordnung angehören möchte (oder) eine eigene Ordnung schafft, die vielleicht ähnlich funktioniert oder genauso funktioniert wie unsere Ordnung. (Minute 11:05)

Die Wahl besteht also darin, einer Ordnung anzugehören, die entweder ähnlich funktioniert wie die von Fitzek … oder eben genau wie seine. Eine bemerkenswerte Vision zukünftiger Selbstbestimmung und Freiheit.

Und wenn ich seit vier Jahren einen Laden aufhabe, ohne Gewerbeanmeldung, in der Innenstadt von Wittenberg … bin immer noch der Einzige in Deutschland der das tut. […] Es ist ganz einfach, da hängt ein kleines Schild draußen dran [..], das ist eine Hausordnung, das ist die Grundlage, dass ich keine Gewerbeanmeldung brauche. (Minute 17:05)

Fitzek hat offenbar nie jene Läden gesehen, die unter dem Namen „Deutsch-türkischer Kulturverein“ laufen. Da werden munter Getränke verkauft, aber keine Gewerbesteuer entrichtet: es handle sich dabei nämlich um Vereinsräumlichkeiten, die nur für Mitglieder zugänglich seien. Es ist zu vermuten, dass sich auch Fitzek dieses Tricks bedient.

Nach einer weiteren Überblende zeigt das „Extremnews“-Video einige der wenigen Besucher, die am Tag der offenen Tür zu Fitzek gefunden haben: zunächst ein NWO-gläubiger Rentner, dann eine Frau, die hofft, dass „Neudeutschland“ dafür sorgen könne, dass sich „auf dem Planeten etwas ändert“.

Ein 73-Jähriger fragt die Zuschauer allen Ernstes, ob sie denn wüssten, dass sie einen „Nazi-Ausweis“ besäßen. Die Begründung, die er für diese Behauptung liefert, klingt äußerst verworren. Überdies schimpft der alte Mann über die Chemieindustrie, die niemanden helfen würde. Dabei bezieht er sich offenbar auf eine Chemotherapie und eine Krebsoperation, der er sich unterzogen hat. Nach der Kur (Rehabilitationsmaßnahme) sei er nicht mehr zum Arzt gegangen, seitdem sei ein Jahr vergangen.

Hamer_Scharlatan

Laut Wikipedia ist Peter Fitzek „offensichtlich ein Anhänger von Hamers Neuer Germanischer Medizin„.

Der 73-Jährige wurde augenscheinlich erfolgreich „schulmedizinisch“ behandelt und ist seither beschwerdefrei. Allerdings verzichtet er, offenbar weil Anhänger der „Neuen Germanischen Medizin“ ihm dies einredeten, auf die lebenswichtigen Kontrolluntersuchungen.

Als das Deutsche Reich Ende 1944 bis zum Frühjahr 1945 in den letzten Zügen lag, lief die Propagandamaschine zu Hochtouren auf. In der Deutschen Wochenschau wurden ständig neue Erfolge erfunden, man wäre auf dem Vormarsch. Die Alliierten hingegen lägen in den letzten Zügen, ihr Zusammenbruch stünde unmittelbar bevor. Jeder weiß, wie es ausgegangen ist.

Natürlich ist das „Königreich Deutschland“ nur ein Phantasiegebilde, entstanden im Hirn eines nicht gerade vor Intelligenz strotzenden Wichtigtuers, aber einige Parallelen zur Endzeit des Deutschen Reich gibt es doch:

Die Propagandaplattform„Extremnews“ phantasiert von einem Vormarsch des „Königreichs“ und Peter Fitzek von einer Bundesrepublik Deutschland, die bald zusammenbrechen werde. Dabei bröckelt sein eigenes Projekt „Neudeutschland“ unaufhaltsam auseinander, das „Königreich Deutschland“ entpuppt sich immer mehr als Rohrkrepierer. Fitzek könnte sich das eigene Versagen wie ein Mann eingestehen, sich bei seinen Anhängern entschuldigen. Stattdessen leiert er die immer selben Parolen herunter und stapft auf den Abgrund zu. Seinen Kritikern wird es eine große Freude sein, ihn Fallen zu sehen.

The Higher They Climb the Harder They Fall (Song von David Cassidy)

deutsche_auf_vormarsch

So endete es beim letzten Mal, als die Deutschen meinten, dass die Welt an ihrem Wesen genesen müsse!

Alle Zitate, außer dem Englischsprachigen, stammen von dieser Seite: http://www.extremnews.com/berichte/zeitgeschichte/5277146c8c01652 bzw.wurden diesem Videoclip entnommen: http://youtu.be/D7Q40AwACpQ
7 Kommentare leave one →
  1. teobaldtiger permalink
    13/06/2013 16:39

    Übrigens: laut (ausserordentlichem) „Neudeutschland“ Mitglieder – Protokoll ist seine Majestät am 10.06.13 vom Posten des Vorstands zurück getreten.
    Leider gab er für diesen Schritt keine Begründung ab – so läßt sich munter spekulieren:

    – Revolte gegen den König – wir wollen eine Republik??? (eher nicht)
    – die Sache mit der BAFIN wird ihm zu „heiss“ geworden und er sucht jemanden, auf den er den ganzen Ärger abwälzen kann (und gefunden hat!)
    – als „Gründer des Vereins, Berater und Repräsentant“ könnte er sich nun von diesem anstellen lassen und daraus einen finanziellen Vorteil gewinnen! (sozusagen die „Ernte“ einholen)

    btw weiss eigentlich jemand, ob dieser Verein in der BRD anerkannt ist? (also „eingetragen“ oder womöglich sogar „Gemeinnützig“???)

    • 13/06/2013 19:42

      Dieser Vorstandsgeschichte sollte man nicht allzu viel Bedeutung beimessen. Vermutlich handelt es sich um eine PR-Maßnahme, um Fitzek nicht immerzu als alleinigen Herrscher (der er dennoch ist) dastehen zu lassen. Außerdem sind ja mit Martin Sch. und dem „Türsteher“ Andreas N. zwei besonders artige Untertanen in den Vorstand gelangt.

      Auf der berüchtigten „Keiner verlässt den Raum“-Konferenz wurde gesagt, dass „Neudeutschland“ ein nicht eingetragener Verein ist. Also spielt es ohnehin keine Rolle, wer dort im Vorstand sitzt. Wikipedia:

      „Obwohl ein nicht eingetragener Verein leichter zu gründen und traditionell staatsferner ist, weil die Kontrolle wegen der fehlenden Eintragung im Vereinsregister schwieriger ist, spricht meistens die volle Haftung der Mitglieder mit ihrem Privatvermögen gegen diese Variante.“

      Eingetragen soll hingegen „Einheitliche Wege e.V.“ sein. Seltsam, dass dieser Verein kein Konto mehr hat und auch keine Bank bereit ist, ihm eines zu geben. Das wird jedenfalls im „Extremnews“-Video von Fitzek gesagt.

      In dem Türsteher-Video hatte er noch dargelegt, dass über die Konten von „Einheitliche Wege“ die Geschäfte von „Neudeutschland“ abgewickelt würden, was legal sei. Ist es aber natürlich nicht. Die Steuerbegünstigung kann nicht auf einen nicht eingetragenen Verein übertragen werden. Möglicherweise gibt es deshalb nun Schwierigkeiten mit den Konten.

      Ebenso hatte er gegenüber seinen Anhängern behauptet, dass nur er allein für die Verbindlichkeiten „Neudeutschlands“ hafte. Das Wikipedia-Zitat sagt etwas anderes aus.

      Das findet sich alles auch in älteren Artikeln hier. Wer in Deutschland einen Verein eintragen will kann das natürlich auch nur in Deutschland tun, einen anderen deutschen Staat als die Bundesrepublik Deutschland gibt es nicht; allenfalls in wirren „reichsdeutschen“ Köpfen 😉 .

  2. Patrick Lassan permalink
    13/06/2013 19:39

    Auf der Homepage von ‚Neudeutschland‘ hat Peterchen entsprechende Bescheide über die Feststellung der Gemeinnützigkeit eingestellt (http://www.neudeutschland.org/index.php/Rechtliches.html).
    Ob die immer noch gültig oder inzwischen widerrufen sind weiß ich allerdings nicht.

    • 13/06/2013 20:08

      Bezüglich „Neudeutschland“ hat Fitzek lediglich einen vorläufigen Bescheid veröffentlicht, keinen endgültigen. Ich erinnere mich gelesen zu haben, dass der Sachbearbeiterin die Sache seltsam vorkam, da das Vereinsziel ja ist, die Bundesrepublik Deutschland abzuschaffen, und ein verfassungswidriger Verein kann nicht gemeinnützig sein oder auch nur eingetragen werden. Von höherer Stelle wurde dann entschieden, dass es kein „Neudeutschland e.V.“ geben wird. Das war, soweit ich mich erinnere, im alten Anti-Reichsdeppen-Forum behandelt worden.

      Im „Lehrfilm“-Video erklärt Fitzek auch explizit, dass Neudeutschland ein nicht eingetragener Verein ist. Vermutlich kann man ihm da – ausnahmsweise – mal glauben 🙂 …

    • teobaldtiger permalink
      13/06/2013 20:10

      eher nicht:

      „Die Bescheinigung gilt längstens 18 Monate vom Ausstellungsdatum ab gerechnet“ also ab 19.08.2009…

      Spätestens dann kommt eine Steuerprüfung wegen dieser und die wird sicher nicht zum „Vorteil“ von „Neudeutschland“ ausfallen 🙂
      (sonst hätte er die sicher schon freudestrahlend präsentiert…)

      Auch das unter den Besuchern von „Neudeutschland“ ein paar Steuerbeamte waren, spricht dafür.

  3. Gert Lauken permalink
    14/06/2013 15:12

    Aufschlussreich ist die Zahl derjenigen Mitglieder, die an den beiden Vereinssitzungen am 6. und am 10. Juni teilgenommen haben: ganze neun.

    Beim „Subbotnik“, also dem Arbeitseinsatz namens „Vision wird Tat“ am 28. April, waren etwa 40 Leute dabei (http://www.neudeutschland.org/index.php/vision-wird-tat.html). Auch das ist wohl kaum eine für einen neuen deutschen Staat überzeugende Größenordnung.

    Aber immerhin geht Fitzek ganz in der Rolle des Quasi-Monarchen auf und verwendet neuerdings den pluralis maiestatis („Mit Freuden treten Wir vom Vorstand zurück, im … Wir werden immer noch als Berater zur Verfügung stehen. Unsere Aufgabe besteht nun darin, den guten Anfang den Unser junger Staat genommen hat, weiter voranzubringen.“)

    GL

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