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Die illegale Neudeutsche Gesundheitskasse (NDGK) vor dem endgültigen Aus (Untergang des „Königreichs Deutschland“, Teil 1)

16/08/2013

neudeutsche_gesundheitskasse

Peter Fitzek, Oberhaupt des Phantasie-Staates „Königreich Deutschland“, besaß niemals das know-how und die Erlaubnis, eine eigene Krankenkasse zu betreiben. Ein solcher Geschäftsbetrieb bedarf der Genehmigung der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) – die aber hat längst die Abwicklung der von Fitzek gegründeten „Neudeutschen Gesundheitskasse (NDGK)“ angeordnet. Fitzek meinte jedoch, sich nicht fügen zu müssen und ließ die Internetpräsenz der „NDGK“ trotzig im Netz stehen:

Aktuell nehmen wir nur Personen bis zum 55. Lebensjahr auf. Ausnahmeregelungen gibt es – bitte erfragen Sie diese bei uns. Wer selbstständig, als Freiberufler, oder als Beamter tätig ist, kann bei uns Mitglied werden.

Die „NDGK“ war in Wirklichkeit keine Krankenkasse. Warum, das machte die BaFin u. a. an folgendem Punkt fest:

Dass die „Mitglieder“ aber nicht nur in den ausdrücklich genannten Fällen keinen Anspruch auf die Vertragsleistung haben, sondern überhaupt nie, ist für einen durchschnittlichen Versicherungsnehmer prinzipiell unvorhersehbar.

Auch die psychisch erkrankte Claudia G. musste die Erfahrung machen, dass die „NDGK“ im Ernstfall nicht zahlt. Im Anschluss an einen Krankenhausaufenthalt überwies ihre gesetzliche Vertreterin mehrmals höhere Summen an die „NDGK“. Die Betreuerin ahnte nicht, dass es Fitzek ausdrücklich verboten war, Versicherungsgeschäfte zu betreiben. Der Wittenberger machte dann auch keine Anstalten, für die Krankenhausrechnung der Claudia G. aufzukommen. Seinem Verständnis nach waren „NDGK“-Kunden zwar einerseits zur Zahlung von Beiträgen verpflichtet, hatten andererseits aber keinen Anspruch auf Gegenleistungen.

Im Juni 2013 verkündete Fitzek dann, nicht mehr der Hauptverantwortliche der „NDGK“ zu sein. Ansprechpartner wären nunmehr zwei junge Männer, die in den Vorstand des nicht eingetragenen Vereins „Neudeutschland“ gewählt worden seien. Der Wittenberger glaubte, mit dieser Erklärung aus der jeder Verantwortlichkeit entlassen zu sein. Die BaFin belehrte ihn schriftlich eines Besseren und unterstellte ihm überdies, die neuen Verantwortlichen nur vorgeschoben zu haben:

Aus dem Schreiben der BaFin vom 24. Juni 2013:

Auf der Grundlage der mir vorliegenden Erkenntnisse muss ich davon ausgehen, dass es sich bei den Herren René S. und Martin Sch. lediglich um Ihre „Strohmänner“ handelt. […]

Ich gehe weiterhin davon aus, dass Sie die NDGK leiten. In diversen im Internet veröffentlichten Interviews berichten Aussteiger aus Ihrer Organisation, dass Sie sämtliche Entscheidungen alleine treffen. Dieser Eindruck wird durch Ihre […] „Lehrfilm(e) zum Aufbau stabiler Gemeinschaften“ bestätigt, mit denen Sie Ihren Umgang mit Kritikern Ihres Führungsstils und damit Ihrer Entscheidungsfindung dokumentieren. […]

Das Fehlen eigener Entscheidungsbefugnisse manifestierte sich auch bei der Durchsuchung Ihrer Wohn- und Geschäftsräume am 25.04.2013. Es war festzustellen, dass […] namentlich Herr Schulz Ihren Weisungen ohne weiteres Folge leistete. Dies zeigte sich darin, dass er trotz mehrfacher Ermahnungen […] (durch die) anwesenden Bereitschaftspolizisten nur auf Ihre Weisungen hin das Filmen und Fotografieren der Maßnahme einstellte. Auch war er nur nach Ihrem vorherigen Einverständnis bereit, Auskünfte zu den Geschäften der NDGK, der „Kooperationskasse“ und des „Königreichs“ zu erteilen. Auch bei geringfügigen Ergänzungsfragen zu bereits gegebenen Antworten hielt er zunächst Rücksprache mit Ihnen, ob er diese beantworten dürfe.

Damit erscheint die Bestellung der Herren Schulz und Stöckel einzig dem Zweck zu dienen, den Rechtsverkehr über die tatsächlichen Verantwortlichkeiten in der NDGK zu täuschen.

Fitzek wiederum schrieb einen 17 Seiten umfassenden Antwortbrief, dass eine beachtliche Bildungsferne und überdies ein überhöhtes Selbstwertgefühl dokumentierte. Der Wittenberger sprach von sich selbst im pluralis majestatis und bezeichnete sich allen Ernstes für das Oberhaupt eines Staates, dessen Rechte vorrangig vor denen der Bundesrepublik Deutschland seien.

Aus dem Antwortschreiben vom 30.06.2013 an die BaFin:

Die Herren S. und Sch. handeln seit dem 10.06.2013 eigenverantwortlich und auf eigenes Risiko. […] Ein Beispiel:

Wir wollten gerade erst letzte Woche zwei wortbrüchige Mitarbeiter im Verein und aus Unserem Umfeld entfernen, die sich trotz eigener mehrfacher Versprechen nicht an Unsere Vorgabe als damaliger Vereinsvorsitzender hielten, das Rauchen als Mitarbeiter der Küche endgültig bis zum 01.06.2013 aufzugeben.

Der Herr Sch. gab Ihnen entgegen Unserer Empfehlung eine letzte Chance und bot an, dass diese beiden Herren mit ihm und einem anderen Souverän gemeinsam ein Programm durchzuführen hätten, welches zeitiges morgendliches Aufstehen, morgendliches kaltes Duschen, anschließenden Frühsport, klare Aufgabenzuweisungen, Kommunikationsschulung und den Umzug in ihre Nähe oder das Verlassen der Gemeinschaft beinhaltet. Das Angebot wurde angenommen.

Ob ihm seine reumütigen Untertanen auch die Schuhe putzen mussten, ist nicht bekannt. Rund 500 Menschen jubelten Peter Fitzek zu, als er sich in Wittenberg zum „Obersten Souverän“ krönen ließ. Es wirkt mehr als befremdlich, dass ein kleinkarierter Spießer von so vielen Menschen als messianische Figur, als Befreier (wovon auch immer…) wahrgenommen wurde.

Aktualisierung, 16.02.2015: Die im Artikel verwendeten Zitate sind den Internetpräsenzen von „Neudeutschland“ und der „NDGK“ entnommen. Beide Seiten wurden inzwischen von einem staatlich bestellten Abwickler geschlossen

3 Kommentare leave one →
  1. wsfgl? permalink
    16/08/2013 18:07

    Tja, bis jetzt hat die Hinhaltetaktik von Fitzi ganz gut funktioniert. Scheinbar auf die Forderungen der Behörden eingehen und sich von einem Konstrukt zum nächsten hangeln. Das ganze Theater zieht sich ja schon seit 3 Jahren hin und mit seiner DGK hat er im Moment zwei solcher „Kassen“ am Start. Übrigens lohnt sich ein Blick ins Impressum: el cheffe: Fitzi, Konto: Fitzi.
    Aber das beste ist die Adresse. Peter wohnt jetzt nämlich am Petersplatz 1. Das haben die Ochsen von Googlemaps zwar noch nicht geschnallt, aber zwei-drei Wochen intensives Kommunikationstraining, kaltes Duschen und Frühsport sollten reichen, um die auf Trab zu bringen.
    Nächste Woche ist übrigens Richtfest vom Neuen Petersdom (Petersplatz 2), danach geht es an den Innenausbau, kommt endlich mal der ganze Marmor weg.

    Transparenz ahoy!

  2. Chappi fünffach fit permalink
    19/08/2013 14:57

    Neukönig Peter kapituliert niemals! Begreift das endlich.

    Mich wundert, weshalb die Bafin die Nichtvorhandene Renten-Gesundsheitskasse überhaupt also solche „wahrnimmt“.

    Des Königs Gemeinsinn sind Zeremonien und wildeste Spekulationen über den Weltfrieden, ausgehend aus seinem Herzen. (Eher Kraxxx Hirn).

    Er hat doch rein gar nix auf die Beine gestellt, nur Blaupausen für seine Welt. Nennt es Kasse, bezeichnet es gemeinnützig, erstellt Formulare, die „soliden Anschein“ haben, und betreibt Umverwurstungs Finanzpolitik, sprich er gaucket was vor, obwohl er Pleite ist.

    Da gab es doch mal in der Vergangenheit diese Leasing Firma, die mit erfundenen Maschinennummer, Codes, Fahrgestellnummern eine riesiges Pyramidenspiel in Gang gesetzt haben, bis das dann aufgeflogen ist.

    Ich tippe mal auf Staatsanwalt und GSG9 für das Endspiel, falls er entwischt auf Interpol HB.

    Was will die Bafin denn ermitteln? Der hat doch alles in einen Topf geworfen, umgerührt, und einen Teil wieder entnommen. Nix Buchhaltung, Übersicht, Geschäftsbetrieb.

    Schaumermal

  3. ich@home.de permalink
    24/08/2013 01:25

    „Was will die Bafin denn ermitteln? Der hat doch alles in einen Topf geworfen, umgerührt, und einen Teil wieder entnommen. Nix Buchhaltung, Übersicht, Geschäftsbetrieb.“

    Die Bafin weniger, die Finanzbehörden mehr. Anschließend wird der vorübergehende Informationsvorsprung durch Amtshilfe ausgeglichen. Da kann der gelernte Koch Fitzek als Kompetenz-Simulant in Finanzfragen rühren wie er möchte.

    „Ich tippe mal auf Staatsanwalt …/….für das Endspiel“

    Für diesen Tipp liegt die Quote mit hoher Wahrscheinlichkeit bei 1:1 – Klare Favoritenwette

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