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Jüdische Allgemeine: Reichsbürger drohen jüdischen Gemeinden!

25/10/2013
juedische_allgemeine

Die Jüdische Allgemeine bezeichnet Peter Frühwalds „Republik Freies Deutschland“ als „Republik der Irren“.

Der König der Reichsbürger, Peter Fitzek, redet häufig von der „Hochfinanz“, die im Hintergrund die Fäden ziehen würde – in Deutschland und weltweit. Er und seine Anhänger wissen genau, wen er meint, wenn er von dieser angeblich existierenden, übermächtigen Gemeinschaft spricht.

Und Dr. Axel Stoll, „Star“ des reichsdeutschen Neuschwabenland-Forums, spricht ganz offen vom „Elektrojuden“, wenn er Fernsehapparate meint … insbesondere, wenn die Geräte deutsche Fernsehprogramme ausstrahlen. Stolls glühendster Verehrer, Mario Romanowski, hingegen ist zu feige, um das Wort Jude überhaupt in den Mund zu nehmen: Er redet lieber von „Königskindern“.

In der Reichsbürger-Szene gibt es also nicht nur judenfeindliche Tendenzen, es existiert ein handfester Antisemitismus. Verwunderlich ist das nicht. Der Großteil der Mitglieder dieser Szene rekrutiert sich aus dem Osten Deutschlands, und im SED-Staat gehörte nicht nur Anti-Amerikanismus quasi zur Staatsraison, sondern auch der Hass auf Israel. Bei der Kritik an Israel (und mehr war es offiziell nicht) handelte es sich im Grunde genommen aber nur um ein Aushängeschild, welches die generelle Abneigung gegen Juden kaschieren sollte.

Diese Haltung des DDR-Regimes findet ein Echo bis in die heutige Zeit. Auch und ganz besonders bei den sogenannten Reichsbürgern.

Die Jüdische Allgemeine weist in einem Artikel vom 24.10.2014 auf diesen Umstand hin:

Anders als in der NPD, die sich um Respektabilität und Wählergunst bemüht, kommen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus in den Pamphleten der Reichsbürger eindeutig und völlig unverklausuliert daher. Da wird etwa die »jüdische Hochfinanz« ins Visier genommen.

Die Reichsbürger verschicken indes widerliche anmutende Schreiben, nicht nur an moslemische Organisationen, sondern auch an jüdische:

Auch einzelnen jüdischen Gemeinden wurde, ähnlich wie islamischen Gemeinden und Einrichtungen von Migranten, eine Hetzschrift zugeschickt, die deren »Ausweisung aus Deutschland« fordert. Darin heißt es unter anderem, man wolle »die durch die korrupten, kriminellen und dem deutschen Volk gegenüber verräterischen, jüdisch-freimaurerischen Politmarionetten der ›BRD‹ (…) gestartete Völkervernichtung durch Rassenvermischung stoppen und wieder rückgängig machen«. Daher werde man »alle Muslime (…) und alle Neger in ihre Heimatländer zurückschicken«.

Reichsbürger behaupten häufig, man würde versuchen, sie mit der „Nazikeule“ mundtot zu machen. Tatsächlich sind sie es selbst, die sich durch ihre rückwärtsgewandte Hassideologie in die äußerte rechte Ecke stellen.

7 Kommentare leave one →
  1. BlueOcean permalink
    27/10/2013 02:08

    Autsch!!! Die meisten Reichsdeppen sind sehr antisemitisch und der oberste Sowjet, äh, Souverän ist da keine Ausnahme, auch wenn er es eher selten direkt ausspricht. Bei ihm wird dann eher beiläufig vom „Bürgerrechtler“ Horst Mahler gesprochen, dem die böse Republik so übel mitgespielt hat (und auf die Bezeichnung Bürgerrechtler für diesen Vollblutnazi muss man erst einmal kommen).

    ABER als gelernter grün-bunter Wessi aus NRW, der seit 20 Jahren in Halle an der Saale wohnt und daher den Fitzek’schen Dialekt sehr gut kennt, muss ich den leider doch arg leichtfertigen Sätzen über den Osten widersprechen, weil es den Menschen hier so verallgemeinert nicht gerecht wird.
    Die DDR war anti-amerikanisch (wie die alte BRD anti-sowjetisch) und sie war kein Freund von Israel. Zum einen wegen der Nähe zwischen Israel und der USA. Zum anderen, weil die Sozialisten einen Horror davor hatten, dass Israel gut verständliche Ansprüche an sie hätte richten können. Sogar verständlich wenn man bedenkt, dass in der DDR nach dem Krieg weit mehr demontiert worden ist als im Westen (dort gab es Care-Pakete und Marshallplan-Gelder).
    Deswegen hat die DDR sich kollektiv zum anti-nazistischen Opfer ernannt, hat nicht perfekt aber erfolgreicher als die alte BRD die Alt-Nazis ihrer Posten enthoben und hat einem etwas verlogenem und mit der Zeit immer mehr deklatorischen Anti-Faschismus gefrönt. Der Holocaust wurde nie geleugnet, sondern politisch vereinnahmt was leider dazu beigetragen hat, dass Teile der Jugend im Protest gegen den Staat sich auch gegen diese staatlich verordneten „Weisheiten“ gestellt haben. In der End- und Ex-DDR war es halt der extremste Protest sich gegen diese Staatsraison zu stellen. (Wobei ich da noch anmerken muss, dass die übelsten Organisatoren der hiesigen Ultrarechten fast alle aus dem Westen stammen. Die sind nach der Wende hier eingefallen wie die Schmeißfliegen.)

    Aber es ist wirklich falsch zu behaupten, dass im SED-Staat „Hass auf Israel“ die Staatsraison gewesen sei. Und die Haltung eines kleinen(!) Teils der Ostdeutschen darauf zurück zu führen halte ich auch für abwegig. Da fallen mir etliche näher liegende Gründe ein.

    Und manchmal nervt es schon wenn der Osten immer gleich mit Rechtsauslage oder den verdusselten Reichstrotteln verbunden wird.

    Ich lebe seit 22 Jahren hier, habe die meisten Rechten hier nur gesehen wenn ich auf einer Gegen-Demo war, meine Nachbarn sind zufällig Juden und leben problemlos, ich kenne viele Ausländer, die gerne hier leben, und mein Bundestagsabgeordneter, den ich sogar auch kenne, ist der erste im deutschen Bundestag mit schwarzafrikanischen Wurzeln.

    Der Osten ist also wirklich mehr als die Hand voll Spinner, die sich Mühe geben ihn zu blamieren.

  2. Susanne permalink
    28/10/2013 20:18

    Naja, dass in der DDR der Israelhass Staatsräson war, ist nichts Neues. Dazu gibt es auch mittlerweile zahlreiche Forschungsarbeiten. Wie sonst ist bsw. die Unterstützung der PLO (auch mit Waffenlieferungen) zu erklären? Oder dass man uns schon in der 7. Klasse in Staatsbürgerkunde eingeimpft hat, dass Israel+USA die schlimmsten Verbrecher sind, die den lieben langen Tag nur kleine Kinder töten?

    Von den Hetztiraden in den DDR-Medien mal ganz zu schweigen, wo auch gern von Konzentrationslagern, Blitzkrieg, Landräubern, Völkermord, Kindermörder etc. gesprochen wurde (kann ja heute jeder im Archiv selbst nachlesen). Ganz vorn dabei zum Beispiel der berüchtigte außenpolitischer Kommentator der BZ Klaus Wilczynski, der wiederholt auch von der „Endlösung des Palästinenserproblems nach Nazivorbild durch Völkermord“ sprach.

    Die DDR sah den Nahost-Konflikt wie auch die gesamte Weltpolitik durch die Schablone des Klassenkampfes. Da waren Zionismus wie auch Faschismus lediglich Auswüchse imperialistischer Kräfte des Finanzkapitals.

    Inwiefern verschiedene ostdeutsche Reichsdeppen von dieser Gehirnwäsche noch heute beeinflusst sind? Weiß nicht. Allerdings sind gewisse Parallelen schon frappierend, wenn es um verschwörungstheoretische Konstrukte der „Hochfinanz“ geht. Oder wenn Fitzek (im Vice-Interview) meint, Hitler sei lediglich eine Marionette von Bankern und „internationaler Familienclans“ gewesen. Diese Lesart war in der DDR sicherlich nicht unüblich, findet man allerdings genauso bei west- und ostdeutschen extrem linken wie rechten Strömungen. Ob das jetzt irgendwas DDR-Spezifisches ist, lässt sich schwer sagen.

  3. Susanne permalink
    28/10/2013 20:50

    PS Siehe auch: Konrad Weiß, Antisemitismus und Israelfeindschaft in der DDR

    http://www.kas.de/wf/doc/kas_9008-544-1-30.pdf
    https://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_Weiß_(Regisseur)

    • BlueOcean permalink
      29/10/2013 00:40

      Wie Konrad Weiß geschrieben hat (Danke für den guten Tipp!) war die Kritik an Israel in de DDR oft brachial aber manchmal auch sehr zahm. Sie unterlag keinen Überzeugungen, sondern schlicht der jeweilig politischen Opportunität.
      Die übertriebene und manchmal hetzende Form war in DDR-Artikeln bei vielen Themen üblich. Da haben die Anti-Faschisten mehr von den Anti-Bolschewisten übernommen als ihnen bewusst war. Wobei es in der Alt-BRD auch ähnlich hetzende „Kommunistenfresser“ (und auch Antisemiten) gab.

      Weiß spricht völlig zu Recht von der fundamentalen Lebenslüge der DDR sich in Gänze zu anti-faschistischen Opfern und Helden zu erheben. Womit alle Fragen nach Schuld, Beteiligung und Sühne gegenstandslos gemacht wurden. Dieser Kardinalfehler hat heute noch Folgen und Wirkungen. Und er kann teilweise für antisemitische Argumentationen instrumentalisiert werden.

      Aber den nominellen Anti-Zionismus der DDR (wenn er denn gerade angesagt war) empfand ich als noch formelhafter und inhaltsleerer als den auch hohlen Anti-Faschismus. So unecht und unglaubwürdig wie die Freundschaftsbekenntnisse zu Angola oder Kuba. Und die dauerhafte Wirkung dieser Propaganda halte ich für marginal. Da wird man heutzutage die Freunde Angolas ähnlich lange suchen wie die vom Anti-Zionismus der DDR überzeugten.

      Antisemiten gab es immer in West und Ost und sie nutzen alle gern die etwaige politische Gunst der Stunde, um ihre Ideologie zu artikulieren. Da sehe ich kaum Unterschiede.

      Hauptentscheidend waren die jeweiligen politischen Lager. Daher halte ich es für übertrieben von einer Staatsraison des „Israelhasses“ zu sprechen und der DDR oder der SED per se Antisemitismus zu bescheinigen. Das erscheint mir ähnlich überzogen wie die These vom Antisemitismus der BRD, der mit den nicht ihren Ämtern enthobenen Alt-Nazis begründet wird (ein gern von der DDR erhobener Vorwurf). Jeder der deutschen Staaten hat bei dem Thema Fehler gemacht. Ich denke, dass die DDR mit ihrer Lebenslüge einen kapitalen Fehler begangen hat und ich zolle der Alt-BRD hohe Anerkennung für ihren langen und schwierigen Weg zu Schuldanerkennung und -bekenntnis sowie der notwendigen und schmerzhaften aber erfolgreichen Selbstauseinandersetzung.

      Woraus ich eine psychologische Deutung drechseln könnte: Vielleicht war die DDR aus geleugneter Schuld gegenüber Israel so übertrieben kritisch wie die Alt-BRD aus Scham über die nicht zu leugnende Schuld gegenüber Israel oft übertrieben freundlich war.

      – – – aber um mal kurz wieder zum Thema zu kommen – – –

      Weil mich die Frage nach der Ost-West-Herkunft der Reichsdeppen-Brand- und -anstifter wirklich interessiert, habe ich mir einen Überblick der bekanntesten Protagonisten verschafft. Das war schwierig und orientiert sich manchmal nur an Indizien, so dass einige Fehlzuordnungen (in beide Richtungen) möglich sind! Für Korrekturen wäre ich daher dankbar. Aber ich denke, dass der von mir vermutete Trend nachvollziehen lässt.

      Reichsideologen mit DDR-Sozialisation: ***********

      Reichsideologen ohne DDR-Sozialisation: **********
      Nicht einordnen konnte ich: *************.

      Die nach meiner subjektiven Meinung „gefährlicheren“ Charaktere habe ich mit Sternchen gekennzeichnet (und auch da bin ich für Korrekturen offen).

      Aber qualitativ muss man den Ost-König Fitzek (als Einäugigen unter den Blinden) mit einer langen Liste von Schwergewichten vergleichen, die ohne DDR-Hintergrund zu ihren hirnverbrannten Ideologien gelangt sind und die ich teilweise für deutlich gefährlicher halte als den „Könical Ali“ aus Wittenberg.

      • 29/10/2013 09:53

        @BlueOcean

        Finde es ja nett, dass Du Dir zum Thema ausführliche Gedanken gemacht hast und diese hier mitteilst, aber insbesondere dieses Aufstellen von Namenslisten ist aus mehreren Gründen bedenklich.

        In Deiner Rubrik „Reichsideologen mit DDR-Sozialisation“ nennst Du acht Personen und in Deine „BRD“(wie Du die Bundesrepublik nennst)-Schublade packst Du dann gleich 30 Namen rein. So lässt sich natürlich suggerieren, dass es im Westen mehr Reichsbürger gibt als im Osten des Landes.

        Abgesehen davon, dass man zu den DDR-Reichis noch locker 100 Leute dazu packen kann (Stoll, Aufstieg des Adlers, den Großteil der Fitzek-Bande, die DPHW-Ganoven, Klasen und seine Spießgesellen usw., usf.) zählst Du für den Westen lupenreine Neonazis wie Horst Mahler und Ernst Zündel dazu. Ebenso nennst Du die Spinner Holey und Hamer.
        Wenn Du meinst, dass das Reichsbürger wären, dann hast Du die Szene nicht verstanden.

        Ich habe, glaube ich, schon öfters darum gebeten, hier nicht bedenkenlos mit Klarnamen rumzuwerfen. Ich kann dazu keine feste Regel nennen. Bei Mario Romanowski beispielsweise, der sogar überall seine Anschrift herausposaunt, ist das natürlich kein Problem. Bei einer Person wie Katharina K., die für die Reichsdeppen-Szene keine erkennbare Rolle mehr spielt und bei der Kinder involviert sind, die unter dem ehemaligen Treiben ihrer Mutter leiden könnten (z. B. könnte in der Schule darüber geredet werden) sieht das wiederum anders aus (ich weiß, die hast Du nicht genannt; dient nur als Beispiel).

        Kurz: Wenn Du so viele Namen aufzählst, müsste ich für jeden Einzelfall durchchecken ob das okay ist oder nicht, und da ich dazu keine Lust habe, habe ich mir erlaubt, die von Dir erwähnten Namen komplett durchzuixen.

  4. BlueOcean permalink
    29/10/2013 12:03

    Entschuldigung!!! Bis auf ein paar aktuell auffällige Fälle stammen die Personen, die ich genannt habe, von der umfassenden (aber wohl nicht ganz aktuellen) Personenliste der KKR-FAQ. Daher hab ich die Nennung dieser Namen nicht als kritisch gesehen.
    Auch meine Wertung basiert auf dieser Grundlage und die von Dir genannten stehen (noch) nicht in der KKR-FAQ-Liste. Ich hab also nicht willkürlich in meine These passende Personen ausgewählt. Aber ich werde das mal – vorerst nur für mich – weiter recherchieren und überlegen wie man es problemloser darstellen kann.
    Die lupenreinen Neonazis und Spinner stammen auch von der KKR-FAQ und ich finde deren Aufzählung legitim wenn sie wie im Fall Mahler selbst Reichsideologie schaffen und verbreiten oder sich wie im Fall Conrad als Propagandisten für den Irrsinn betätigen.
    Mir ging es nicht um eine Reichsdeppenvolkszählung; da vermute ich, dass der Osten überproportional beteiligt ist (was ein eigenes interessantes Thema wäre).
    Mir ging es aber jetzt nur um die wesentlichen geistigen und tatsächlichen „Brandstifter“ der Szene. Da sehe ich (bisher jedenfalls) den Osten nicht überrepräsentiert.

    Und den Begriff „Alt-BRD“ hab ich nur zur Klarheit in der Abgrenzung gegenüber der DDR und zum heutigen Deutschland gewählt. Zumal ich zu faul war statt dessen jedesmal „damalige Bundesrepublik Deutschland“ zu schreiben.

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