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Spirituelle Selbstsucht und ganzheitliche Raffgier im Königreich Deutschland

12/11/2013
Fitzek_Welt

Bild anklicken, um den WELT-Artikel zu lesen!

Peter Fitzek wird immer mehr zum Dauergast in den Medien. Allerdings gibt es nicht viele, die dabei derart ausgelacht, verhöhnt und durch den Kakao gezogen werden wie der Möchtegern-Monarch aus Wittenberg.

Warum, um Himmels willen, tut er sich das also an? Weshalb gibt er beispielsweise der BILD-Zeitung, die ihn ganz offen als „Irren von Wittenberg“ bezeichnet, auch noch Interviews?

Die Antwort dürfte in Fitzeks Geltungssucht begründet sein. Hauptsache, er wird wieder mal irgendwo erwähnt. Was dann letztlich über ihn gesagt wird ist egal – nach seiner Machtergreifung wird er ohnehin alles richtig stellen und die Verantwortlichen hart bestrafen.

Zudem wird Fitzek davon ausgehen, dass ihm die Medienpräsenz in materieller Hinsicht Vorteile bringen könnte: Finanzstarke Bürger vertrauen ihr Geld der „Königlichen Reichsbank“ an, und potente Unternehmer verlagern ihre Produktionsstätten ins „Königreich Deutschland“.

Aber Träume sind Schäume, Fitzek hat auf Sand gebaut. Hätte er seinen Esoterik-Laden nicht dichtgemacht, dann könnte er wenigstens weiterhin ätherische Öle oder Traumfänger, made in taiwan, an den Mann bringen. Nun muss er von dem leben, was ihm geblieben ist, denn es gibt kaum noch Interessierte, die bereit sind, viel Geld für seine nutzlosen Seminare zu zahlen.

Im „Königreich Deutschland“ geht es ausschließlich um egomanische Selbstdarstellung, und darum, an das Geld anderer Leute zu kommen. So raffgierig ist man nicht mal bei Scientology. Peter Fitzek ist die verkörperte „Hochfinanz“, jene Chimäre, über die er so gern herzieht. Er und seine engsten Anhänger sind im Grunde genommen gescheiterte Existenzen – ausgerechnet sie maßen sich an, über das Schicksal Deutschlands, Europas und der Welt bestimmen zu wollen.

Die Medien, und mit ihnen die Mehrheit der Bürger, sehen in Fitzek allerdings einen Possenspieler, über den man sich allenfalls kopfschüttelnd amüsiert. Die Tageszeitung DIE WELT veröffentlichte jetzt ein interessantes Psychogramm:

Vor einem sitzt nun einer, der sich wahnhaft vor den Mängeln anderer ekelt und sich so in eine Art pathologischen Narzissmus hineingesteigert hat. „Ich sage dir mal, wann ich in die Pubertät gekommen bin, mit sechs. Ich habe dieses Leben und diese Welt gehasst.“

Die Zeitung geht auf die „Karriere“ ein, die der 6-jährige Teenager anschließend hinlegte:

Der gelernte Koch, der ehemalige Videothekar, der gescheiterte Jeans- und Hosenverkäufer Fitzek ließ sich am 16. September 2012 vor ein paar Hundert Leuten in der Lutherstadt Wittenberg zum König seines selbst ausgerufenen Königreichs Deutschland krönen. So richtig mit Mantel, Schwert, Zepter und Reichsapfel.

Die Erfolgswelle ist längst einer Flaute gewichen. In den Räumen der „Königlichen Reichsbank“ herrscht Friedhofsruhe:

Und drinnen sitzen wirklich Leute und arbeiten. Das heißt, sie sitzen an Schreibtischen, schauen auf Bildschirme und langweilen sich, weil nicht viel passiert.

Der König der Reichsbürger gab gegenüber der Zeitung private Dinge preis, die eigentlich niemand wissen wollte:

Fitzeks Augen funkeln grün. Er sagt jetzt ganz hart: „Meine Eltern waren zu mangelhaft in meinen Ansichten. Meine Mutter hatte eine Körperbehinderung, mein Vater hat zu viel getrunken. Meine Cousine ist geistig behindert. Meine Schwester ist übernervös. Diese ganzen Mängel habe ich gesehen und habe gesagt: Das will ich nicht.“

Der Autor des Artikels macht sich die Mühe, einige Phrasen Fitzeks zu widerlegen. So wird in der reichsideologischen Szene gern damit argumentiert, im heutigen Deutschland würden Nazigesetze angewendet:

Fitzek meint auch, dass das Einkommensteuergesetz eine Erfindung von Hitler gewesen sei, weil es 1934 gültig wurde. Es stimmt, dass das Einkommensteuergesetz am 25. Oktober 1934 in Kraft trat. […] Was Fitzek aber auch verschweigt, ist, dass das Gesetz im Wesentlichen auf Regularien von Gesetzestexten vom 29. März 1920 zurückgreift. Dabei hatte Fitzek drei Minuten vorher noch gesagt: „Ich bin konsequent ehrlich. Ich mache noch nicht einmal Notlügen.“

Fitzek konsequent ehrlich? Genauso gut könnte er behaupten, noch niemals im Leben auf die Toilette gegangen zu sein. Eine seiner bekanntesten Flunkereien war schließlich jene, er befände sich gerade in einer Unterredung mit dem „zukünftigen Konsul von Paraguay“.

Übrigens berichtet auch die Stimme Russlands über Peter Fitzek. Sie sieht ihn bereits im Gefängnis:

Fitzek_Stimme_Russlands

Noch ist er auf freiem Fuß …

11 Kommentare leave one →
  1. 12/11/2013 20:27

    Ein herrlicher Artikel der Welt! So muss über Reichsdeppen berichtet werde! Humorvoll, aber doch aufklärend und offenbarend! Dauem noch dafür!
    Gibs zu, du hast dir was dazu verdient und den Artikel an die welt verkauft… 😉

    • 12/11/2013 23:36

      Gibs zu, du hast dir was dazu verdient und den Artikel an die welt verkauft…

      Nee, ich glaub‘ so viel Geld kann mir gar keiner zahlen, dass ich mich von Fitzek volllabern lasse … 🙂

  2. Olli2 permalink
    12/11/2013 22:50

    Ich finde auch, das ist ein absolut herrlicher Blog. Vielen Dank für diese Arbeit.

    Die beste „Notlüge“ von allen würde fast einen eigenen Artikel verdienen: Der berühmt-berüchtigte, imperatorsche Wasser-Verbrennungsmotor.

    • 12/11/2013 23:44

      Ein Lob wird natürlich auch immer gern gehört … 🙂

      Eine regelrechte Fitzeksche Meisterleistung an Ehrlichkeit ist auch die Idee, eine Sitzbank aufzustellen und zu behaupten, selbige wäre die „Königliche Reichsbank“. Oder ständig die Versicherungs- und Sparverträge zu ändern, damit die bisherigen Bescheide der BaFin ins Leere gehen. Oder bei der Einweihungsfeier der Reichsbank zu behaupten, es handle sich um eine Privatparty, zu der nur Freunde eingeladen seien.

      Wahrheiten über Wahrheiten, die einem die Tränen in die Augen treiben und über die man fast ein neues Blog eröffnen könnte …

  3. Luzifer permalink
    14/11/2013 20:42

    Zitat: Peter Fitzek wird immer mehr zum Dauergast in den Medien.

    Dafür wird es bei Neudeutschland immer ruhiger. Letzte „Erfolgsmeldung“ ist die Rückgabe des Autos. Die drohende Gefängnisstrafe in einem „fremden Staat“ wird lieber nicht gross herausgestellt.

    Aber wenn sonst schon alles in die Binsen geht, hat man wenigstens schon mal eine Nationalhymne. Die kostet nichts und man wandert auch nicht in den Bau.

    • Luzifer permalink
      14/11/2013 20:55

      Ach ja … eine wüste Mischung aus deutscher Nationalhymne und Nazivorturner Rennicke. Einfach eklig.

      • 14/11/2013 22:35

        … eine wüste Mischung aus deutscher Nationalhymne und Nazivorturner Rennicke. Einfach eklig.

        In der Tat. Und dann regt sich Fitzek künstlich über geltende Steuergesetze auf, weil sie in den 30er-Jahren verabschiedet wurden. Die reinste Heuchelei.

  4. Luzifer permalink
    14/11/2013 23:24

    Mittlerweile gibt es die „Verfassung des Königreichs Deutschland“ auch in Übersetzungen. U. a. auf Niederländisch.

    Grondwet – Koninkrijk Duitsland

    was nichts anderes heisst als „Grundgesetz – Königreich Deutschland“.

    Die Niederländer nennen ihre Verfassung ebenfalls Grundgesetz

    Ausserdem heisst es dort auch noch „Grondwet voor het Koninkrijk der Nederlanden“, also für das Königreich der Niederlande. Was ja bei unserem Grundgesetz als Beweis dafür gilt, dass es angeblich keine Verfassung ist. 🙂

  5. Gert R. Lauken permalink
    15/11/2013 11:05

    Unterdessen wird der harte Kern der Fitzekianer immer kleiner. Leosch D., zuständig für „Koopka/NDGK“ hat offensichtlich das Wittenberger Team verlassen. Die Homepage nennt damit nur noch elf Leute (http://www.neudeutschland.org/index.php/unser-team.html). Vielleicht ist das eine Folge des gelungenen Welt-Artikels?

    • 15/11/2013 12:53

      Vielleicht muss Fitzek die Leute auch freistellen, weil in der Kasse Ebbe herrscht, und am Ende bleiben im Königreich nur noch Saskia als hübsche Prinzessin und Peter als junger Prinz übrig. Ich hätte es spannender gefunden, wenn die BaFin Fitzeks Saftladen auseinandergenommen hätte. Aber so ein in sich selbst zerbröselndes Königreich hat ja auch etwas für sich.

      Hast Du übrigens gesehen, dass ein „Dieter Jürgens“ bezüglich des Artikels „Wie Leichtgläubigen das Geld aus der Tasche gezogen wird“ moniert hat, dass nicht berücksichtigt worden sei, dass richtige Banken zahlungsunfähig wären, wenn alle Kunden gleichzeitig 2 bis 8% ihres Guthabens abheben würden? Wie er auf diese Prozentzahlen kommt, weiß ich nicht. Er hat inzwischen auch schon drei Antworten auf seine seltsame Theorie bekommen.

  6. wsfgl? permalink
    18/11/2013 10:04

    “Ich sage dir mal, wann ich in die Pubertät gekommen bin, mit sechs.“
    Womit sich Fitzeks unglaublich dämliches Geschwafel über die gefährliche Frühsexualisierung Zehnjähriger in der Schule von selbst erledigt hat.

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