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Reichsdeppen außer Rand und Band

11/02/2014
rasende_reichsburgerin

Rasende Reichsbürgerin

Die rund 80 Millionen Einwohner unseres Landes interessieren sich in ihrer überwältigenden Mehrheit nicht für den (im Internet) allgegenwärtigen Reichsbürgerunsinn. Lediglich eine winzige Minderheit  amüsiert sich kopfschüttelnd über jene verwirrten Gestalten, die nicht müde werden, YouTube und andere Online-Plattformen mit einschlägigen Lügengeschichten zu überfluten.

Die Reichsbürgerbewegung gewinnt hin und wieder Anhänger, während sich in gleicher Zahl andere aus dem reichsdeutschen Wahnsystem verabschieden. Eigentlich könnten die Reichsbürger in Ruhe und bis zum Jüngsten Gericht ihrem geliebten Hobby nachgehen, das darin besteht, die eigene Denkschwäche und den erstaunlichen Hass auf den eigenen Staat zur Schau zu stellen. Leider jedoch sind diese Leute nicht richtig glücklich, wenn sie keinen Stunk machen können. Da kommt es wiederholt zu Übergriffen gegen Frauen, Gerichtsvollzieher werden berufsunfähig gemacht, und manch ein Reichsbürger versucht auch, in der Öffentlichkeit, den eigenen Hund zu ersäufen.

Mit Vorliebe werden Staatsbedienstete terrorisiert, aber auch die Allgemeinheit ist keinesfalls sicher. Der Oberdepp aus Wittenberg machte es vor: Er gefährdete Kinder, Frauen und Männer, indem er mit 180 Sachen über die Landstraße raste, oder er bretterte im Stau frech über den Standstreifen der Autobahn, welcher Rettungsfahrzeugen oder der Polizei vorbehalten sein sollte. Eine Fahrerlaubnis ist für die Obermotze der Reichsbürgerbewegung längst nicht mehr nötig – eine Botschaft, die inzwischen auch bei vielen namenlosen Reichsdeppen angekommen ist. Personen, denen man sicher aus gutem Grund den Lappen abgenommen hat, steigen munter ins Auto und machen die Straßen unsicher. In den letzten Tagen wurden wieder solche Fälle bekannt:

Polizeibeamte wollten gegen 15:30 Uhr einen Pkw Kia einer Verkehrskontrolle unterziehen. Ein Unterfangen, das in eine Verfolgungsjagd mit mehreren Streifenwagen ausartete. Die Fahrerin versuchte die Kontrolle zu umgehen und flüchtete mit ihrem Wagen. […]Schließlich gelang es ihnen, die Fahrt der Frau ohne Schäden zu beenden. Doch das Schauspiel war noch nicht vorbei. Die Frau schloss sich nämlich im Auto ein und weigerte sich mit der Polizei zu sprechen. Später stellte sich heraus, dass der Frau die Fahrerlaubnis bereits gerichtlich entzogen worden war und das Fahrzeug seit über einem Jahr nicht mehr zugelassen und ohne Haftpflichtversicherung geführt wurde. Die Fahrzeugführerin hatte sich stattdessen eigene fiktive Zulassungsplaketten gebastelt. Quelle: MAZ

In Bad Kissingen traf die Polizei auf einen Reichsbürger-Methusalem, der sich möglicherweise im Besitz einer Fahrerlaubnis befand, sich aber nicht respektvoll genug behandelt fühlte. Er zeigte einen Spielzeugausweis vor, der ihn wohl als Diplomat legitimeren sollte. Ob er eventuell sogar Reichskanzler, Reichspräsident, Oberster Souverän war (oder der wiedergeborene Otto von Bismarck) ist bislang nicht bekannt.

Da der Mann die Polizei lediglich als Stiftung ohne jegliche Rechte ansah, verweigerte der 67-Jährige sich auszuweisen und seinen Führerschein vorzuzeigen. Ihm wurde erst einmal die Weiterfahrt verboten, der Rentner wurde zur Feststellung seiner Identität auf die Dienststelle gebracht. Wie sich dort herausstellte wurde gegen den „Diplomaten“ bereits mehrfach wegen gleichgelagerter Sachverhalte Anzeige erstattet. Quelle: nordbayern.de

nordbayern

Rentner als Diplomat des Deutschen Reiches

Es ist hinlänglich bekannt, dass Reichsbürger notorische Zechpreller sind. Rechnungen werden ungern – am liebsten gar nicht – beglichen, und taucht dann der Gerichtsvollzieher auf, gibt es stets ein großes Geschrei. Bei solchen Gelegenheiten vergleichen sich die Reichsdeppen regelmäßig mit den Geschwistern Scholl, Claus Schenk Graf von Stauffenberg und anderen Widerstandskämpfern.

Die neueste Masche scheint zu sein, direkt im Geschäft zu klauen und dann mit den Fäusten wild um sich zu schlagen:

Nachdem am 06.02.2014 der Ladendetektiv im Baumarkt in der Eberswalder Straße von einem Ladendieb niedergeschlagen wurde, informierte dieser die Polizei über den Sachverhalt. Im Rahmen der Fahndungsmaßnahmen im Umfeld des Baumarktes stellten die Polizeibeamten einen Tatverdächtigen. Der 42-Jährige beleidigte die Polizisten und versuchte sich gegen die Maßnahmen der Polizei mit körperlichem Widerstand in Form von Tritten zu widersetzen, was aber keinen Erfolg hatte. Der Mann, der ohne festen Wohnsitz ist und sich selbst als „Reichsbürger“ bezeichnet, führte einen Schlagstock, ein Messer und eine Axt mit sich. Da gegen ihn ein Haftbefehl des Landgerichtes Berlin sowie der Staatsanwaltschaft Eberswalde vorlag, wurde er festgenommen und die Beweismittel sichergestellt. Polizei Brandenburg

Vielleicht sollte man diese Leute in Zukunft nicht mehr „Reichsdeppen“ sondern „Reichskriminelle“ nennen.

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5 Kommentare leave one →
  1. Septima Blue permalink
    11/02/2014 21:14

    Bei der Verfolgungsjagd mit jener „Reichsbürgerin“ handelt es sich doch nicht etwa um die Wendt oder der Fr. Wolflyric ? 😀

    • TOFKAS01 permalink
      13/02/2014 20:34

      Das hatte ich mir auch schon gedacht. Diese Wendt soll das doch schon mal abgezogen haben, sogar mit ihrem Kind auf der Rückbank. trotzdem, man merkt, das man es bei diesen Reichsdeppen eigentlich um Asoziale handelt. Konsumieren auf Kosten der Algemeinheit (denn nichts anderes ist Zechprellerei) und Wichtigtun im Straßenverkehr. Man kann froh sein, das bisher noch kein Reichsdepp jemanden überfahren hat.

      • TOFKAS01 permalink
        13/02/2014 20:35

        Zu oft verschrieben.

  2. 12/02/2014 01:43

    Da fragt man sich wirklich wo man lebt. Hätten diese Leute alle ihr geliebtes Preussen und Kaiserreich zurück, wären es die ersten, die auch da erhebliche Probleme mit der Obrigkeit bekommen würden. Erschreckt bin ich auch immer bei den ‚Chemmies‘ und den Drohungen mit den Laserpointern. Bei 99% mag dies ein sich produzieren sein, aber es reicht ja nur einer (der sich dazu aufgerufen fühlt), um im schlimmsten Fall eine Katastrophe zu verursachen.

    • Jay permalink
      14/02/2014 02:26

      Ja, Passagierflugzeuge aus ideologischen Gründen mit Laserpointern zu bedrohen, kann man als waschechten Terrorismus bezeichnen. Fragt sich, ob den betreffenden Personen das überhaupt klar ist.

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