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Der kleine König geht vor Gericht mit Pauken und Trompeten unter

09/04/2015

Gerichtsdurchfall

Weil er ja so fürchterlich souverän ist, gab Peter Fitzek einst freiwillig seinen Führerschein (und damit gleichzeitig seine Fahrerlaubnis) zurück. Was natürlich eine Riesendummheit war, denn der kleine Mann mit dem Zopf und der Halbglatze rast für sein Leben gern mit überhöhter Geschwindigkeit durch geschlossene Ortschaften … und hält sich auch sonst an kaum eine Verkehrsregel. Die Liste seiner öffentlich dokumentierten Missetaten ist lang.

Also fuhr er auch ohne Fahrerlaubnis fröhlich weiter Auto, und wenn er von der Polizei angehalten wurde (weil er mal wieder mit 125 km/h an einer Kindertagesstätte vorbeigedonnert war, oder so), dann zückte er einen königlichen Führerschein, welchen er sich nach der uralten Tradition der Yps-Comic-Hefte selbst gebastelt hatte. Außerdem wies er die Beamten darauf hin, dass er ein Staatsoberhaupt sei – nämlich ein Imperator Fiduziar – seine Freunde dürften jedoch „Oberster Souverän“ zu ihm sagen.

Da Peter Fitzek das verwest-muffige Odeur eines Erich Honeckers ausstrahlt (ein Duft, der in der Lutherstadt Wittenberg beliebter ist als beispielsweise Chanel N°5), kam er mit dieser Masche nahezu ungestraft durchs Verkehrsleben, eine ziemliche Weile jedenfalls. Irgendwann verirrte er sich mit seinem Wagen jedoch in die alten Bundesländer (Orientierungsverlust aufgrund zu hoher Geschwindigkeit!) … und wurde dort prompt zu einer Haftstrafe von 3 Monaten verurteilt. Ohne Bewährung. Wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und fehlender Einsichtigkeit.

Das Problem: Peter Fitzek hat gar keine Zeit fürs Gefängnis. Erstens muss er immerzu Autofahren … und zweitens ein Großdeutsches Reich in den Grenzen von 1937 errichten. Letzteres hat er sogar dem lieben Gott versprochen. Also begann sein Gehirn (welches sich direkt unter seinem kahlen Schädel befinden soll) wie ein Robotron-Rechner zu arbeiten. Ergebnis:

Ich habe ja gar nicht die Fahrerlaubnis zurückgegeben, sondern nur den Führerschein – nichts weiter als ein Stück Papier!!

Diesen genialen Gedankengang wollte er am heutigen Tage dem Verwaltungsgericht Halle verklickern. Hätte Fitzek damit Erfolg gehabt, wäre natürlich auch die Haftstrafe hinfällig geworden. Das Gericht wies die Klage jedoch ab, und eine Berufung ist offenbar nicht möglich. Die Diskussion zu Fitzeks grandiosem Scheitern, zudem viele Infos und Fotos im – wie immer! – hochaktuellen Anti-Reichsdeppen-Forum: Hier klicken!

Weitere Links:

Mitteldeutsche Zeitung: Selbsternannter König unterliegt im Gerichtsstreit um Fahrerlaubnis

SAW: Streit um „königlichen“ Führerschein

9 Kommentare leave one →
  1. Gerntroll permalink
    09/04/2015 19:31

    Zeit wurde es für eine erste Klatsche als Vorgeschmack.

  2. Gert R. Lauken permalink
    09/04/2015 19:41

    Diese Niederlage war abzusehen. In dem Strafverfahren wegen des unerlaubten Versicherungsgeschäftes, in dem Fitzek Revision beim OLG Naumburg eingelegt hat, sieht es indes besser aus: Da für Fitzek entgegen § 140 Abs. 2 StPO kein Verteidiger bestellt wurde, obwohl die Sach- und Rechtslage schwierig war (die Mitteldeutsche Zeitung vom 28.11.2014 zitiert Richter Rosenberg wie folgt: ” Die Materie sei kompliziert … „Es gibt keine vergleichbaren Fälle.“), ist das erstinstanzliche Urteil zwingend aufzuheben (§ 338 Nr. 5 StPO). Ein Fall der notwendigen Verteidigung liegt auch dann vor, wenn der Angeklagte angibt, so war es hier wohl, im Sinne eines zügigen Verfahren keine Beiordnung zu wünschen. § 140 StPO steht nicht zur Disposition des Angeklagten

    Bei den Formalien hat Fitzek diesmal wohl nicht geschlampt:

    Er hat die Revision am 13.1.2015 eingelegt. Die Frist für die Revisionsbegründung beginnt mit Zustellung der Urteilsgründe. Diese hat das Gericht hier vermutlich erst, wie es das Gesetz in § 275 Abs. 1 S. 2 StPO zulässt, fünf Wochen nach der Urteilsverkündung (am 8.1.2015) fertig gestellt. Rechnet man eine großzügige Zustellungsfrist von, sagen wir mal, zwei Wochen hinzu, ist man bei Ende Februar. Dann hatte Fitzek gem. § 345 Abs. 1 StPO einen Monat Zeit, die Revision zu begründen (möglicherweise ist es ja gerade auch schwierig, Fitzek etwas zuzustellen). Die Revisionsbegründung am 2.4.2015 dürfte also vermutlich auf den letzten Drücker und damit gerade noch rechtzeitig erfolgt sein. Die Formvorschriften hat Fitzek mit Protokollierung auf der Geschäftsstelle ebenfalls eingehalten (§ 345 Abs. 2 StPO).

    Richter Rosenberg hingegen hat sich mit der Nichtbeachtung von § 140 Abs. 2 StPO nicht mit Ruhm bekleckert.

    GL

    • 09/04/2015 20:17

      Danke für die Hinweise. Rosenberg wurde mir zunehmend, beim Lesen der Prozessberichte, unsympathischer, zumal er offenbar nicht einmal im Ansatz erkannte, welch ein Spitzbube da vor ihm auf der Anklagebank saß. Stattdessen gefiel er sich darin, den Zeugen Gohr zu maßregeln.

      Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass es in dem Fall erneut zur Hauptverhandlung kommt. Ein Zeit- und Imagegewinnn für Fitzek. Sein Zenit ist allerdings überschritten, er und seine Büttel werden um so agiler, je unbedeutender das Neudeutschland-Projekt wird. Hintergrund dafür dürfte sein, dass sie tatsächlich himmlische Mächte hinter sich zu wissen glauben, von denen sie momentan „geprüft“ werden.

      • Luzifer permalink
        13/04/2015 17:12

        Dem kann ich nur aus vollem Herzen zustimmen!

        Wenn der Fall so einzigartig war, hätte Rosenberg auf einem Verteidiger bestehen müssen. Stattdessen fratzt er Gohr und die Staatsanwältin an. Wobei man sagen muss, dass die Staatsanwaltschaft sich auch nicht mir Ruhm bekleckert hat.

        Und dann gesteht er Fitzek auch noch zu, dass er sich nicht habe bereichern wollen, womit die Reichszwerge jetzt hausieren gehen.

        Wenn das eingesammelte Geld auf allen möglichen Konten verschwindet, u. a. auf dem von Fitzeks Mutter, nicht von Betrugsabsichten auszugehen, halte ich für ziemlich abenteuerlich.

        So langsam sollten die Gerichte wissen, mit wem sie es zu tun haben.

  3. Gerntroll permalink
    09/04/2015 21:22

    Da dürften ja noch einige Vefahren ins Rollen kommen. Wegen Fahren ohne hatte ich den Zwerg ja auch mal angezeigt. 😉 Und die Wittenberger scheinen das ja wohl in Angriff nehmen zu wollen. Ob das der Startschuß war?

  4. 10/04/2015 08:02

    Offensichtlich hat er sich unmittelbar nach der Verhandlung mit seinen königlichen Mini-Hintern auf den Fahrersitz eines PKWs geschwungen und ist davongefahren. Andere wären dafür augenblicklich eingebuchtet worden. Fitzeks Narrenfreiheit hält sich bis dato erstaunlich gut.

    • 10/04/2015 16:18

      Wer zahlt denn die BRD-GmbH-Kfz-Steuern und die Reichskönigliche Kfz-Haftpflicht für das Fahrzeug ? Fährt er als zahlungsunfähiger Pleitier frei jeder Verantwortung für den Fall das es mal kracht ? Bei vorsätzlichem Fahren ohne Versicherungsschutz droht eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu 1 Jahr. Fahren ohne Haftpflicht ist eine Straftat.

      Ich gehe davon aus, dass das fragliche Fahrzeug in der BRiD GmbH angemeldet und versichert ist; im Zweifelsfall auf den Namen der nicht mehr ganz so jungen Frau, die an Fitzeks Seite zu sehen war.

  5. Gerntroll permalink
    10/04/2015 21:07

    Ich denke das die Wittenberger Staatsanwälte langsam aktiv werden. Bei meiner Zeugenaussage war es den Worten des Polizisten zu entnehmen. War sehr interessiert an meinen Ausführungen und hat mir auch zu verstehen gegeben das ihm das Peterle auf den Kranz geht.

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