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Gewalttätig und möglicherweise psychisch krank

23/05/2016
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Auch in Baden-Württemberg wird der deutsche Staat von Reichsbürgern gestürzt

Die Seite nachrichtenxpress.com beschäftigte sich gestern mit den Umtrieben der Reichsbürger in Baden-Württemberg:

Insbesondere im Raum Heilbronn sollen bereits mehrere Personen und Familien auffällig geworden sein, die aus teils nicht erkennbaren Anlässen die Konfrontation mit deutschen Behörden, Sicherheitskräften und staatlichen Einrichtungen gesucht hätten. Der in Reutlingen tätige Gerichtsvollzieher Martin V. soll sogar schon mehrfach von den „Reichsbürgern“ angepöbelt oder bedroht worden sein.

Martin V. war tatsächlich von einer Gruppe pöbelnder Reichsbürger bedängt worden, ein entsprechendes Video kursierte auf YouTube.

Nachdem in Albstadt ein Obergerichtsvollzieher von drei Männern unter dem Vorwand aufgesucht worden war, mehrere Hundert Euro, die noch ausstünden, bezahlen zu wollen, ermittelt nun die Staatsanwaltschaft Hechingen. Dabei sollen die Besucher jedoch unter anderem die Vorlage eines obskuren „Beamtenausweises“ verlangt haben und einer von ihnen soll gegen den erklärten Willen des Beamten begonnen haben, zu filmen. Anschließend sollen dem Gerichtsvollzieher auch Prügel angedroht worden sein.

Die Männer hinderten den Gerichtsvollzieher aber nicht daran, die Polizei zu rufen. Martin V. hat offenbar Anzeige erstattet, weshalb es nun zum Prozess kam.

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An Reichsdeppen scheint es nirgendwo zu mangeln…

Von einem anderen Prozess berichtet die Neue Osnabrücker Zeitung. Das Osnabrücker Amtsgericht hat sich ebenfalls einen zünftigen Querulanten eingefangen:

„Ich bin der Mensch, ich möchte stehen!“ Also blieb der Mann aus Bramsche stehen, flankiert von zwei Justizwachtmeistern, die ihn in Handschellen in Saal 9 des Amtsgerichts geführt hatten. […] Verantworten musste sich der 31-Jährige wegen Fahrens ohne Versicherungsschutz in 20 Fällen, außerdem wegen versuchten Betrugs. Der Mann soll einen Mahnbescheid gegen den Leiter der Osnabrücker Staatsanwaltschaft […] beantragt haben.

Selbstverständlich lag für die Forderung kein legaler Grund vor. Es ist inzwischen bekannt, dass Reichsbürger versuchen, die Mitarbeiter der Justiz und Behörden mittels unbegründeter Forderungen einzuschüchtern. Man hofft außerdem, in Besitz eines gerichtlichen Titels zu gelangen, wenn nämlich der vermeintliche Schuldner nicht rechtzeitig reagiert.

Dass sich der Angeklagte bei der Verhandlung dieser Vorwürfe nicht an die Regularien halten würde, war grundsätzlich zu erwarten gewesen. Der 31-Jährige betrachtet sich als „Reichsbürger“ ; die Anhänger dieser uneinheitlichen Bewegung glauben an den Fortbestand des Deutschen Reiches und halten die Bundesrepublik daher für illegal. 

Die Zeitung weist auch darauf hin, warum dies in vielen Fällen so ist:

Wenn die Mittel fehlen, um finanziellen Verpflichtungen nachzukommen, greift eine wachsende Zahl von Personen – meist Männer – zur ultimativen Lösung und leugnet das gesamte System, das dieses Geld von ihnen eintreiben will.

Der Angeklagte scheint sich jedoch einer freiwilligen wie sonderbaren Gehirnwäsche unterzogen zu haben:

Er wirkte vor dem Amtsgericht wie ein entseelter junger Mann, aus dem nur noch die wirre Ideologie spricht, die er über Jahre inhaliert hat. […] Verteidiger schämt sich für seinen Mandanten: Als der Angeklagte immer wieder rief: „Die Verhandlung hat noch nicht begonnen!“ und das einmal mit einem heftigen Faustschlag auf den Tisch unterstrich, verbarg der Verteidiger seinen roten Kopf sekundenlang hinter seinen Händen. Nachdem der Bramscher dann die Ausführungen der Richterin immer wieder mit denselben Worten […] kommentierte, wurde es dem Verteidiger zu bunt. […] Er bezweifle, dass der Angeklagte überhaupt schuldfähig sei und beantrage deshalb ein psychiatrisches Gutachten.

Der Staatsanwalt widersprach, das Gericht jedoch unterbrach die Verhandlung und ordnete das geforderte Gutachten an. Der Reichsbürger soll sich über all das „kaputtgelacht“ haben.

10 Kommentare leave one →
  1. Tofkas01 permalink
    23/05/2016 14:23

    In Baden-Württemberg gibt es sogar mehr Reichsspinner als man vielleicht denkt. Das hängt u.a. mit der starken Esoterikszene und auch mit der relativ starken Neonaziszene zusammen. Im Schwarzwald und an der Schweizer Grenze gibt es immer wieder solche Deppen die teilweise ganze Webseiten oder Podcastsender haben (z.b. Altermedia aus dem Südschwarzwald).

  2. 24/05/2016 19:04

    Dachte, der Bundesinnenminister hätte Altermedia dichtgemacht. Gruselig, wenn es die Seite noch geben sollte.

    • Tofkas01 permalink
      25/05/2016 12:23

      Ich meinte auch eher, das sie aus der Region stammt. Sie ist tatsächlich vor einigen Monaten dicht gemacht worden aber nicht die einzige Reichsdeppenquelle in BaWü. Mal ganz von den üblichen 08/15-Spinnern abgesehen (die alte Fiat-Lux Sekte von Uriella hat im Südschwarzwald immer noch ihre letzten Refugien und die Antroposophen sind auch noch vertreten), stammte z.B. ein Radiosender der Verschwörungstheoretiker und Reichsbürger aus Grenzach-Wyhlen bei Lörrach. Und der Exklave Büssingen am Hochrhein wurde auch schon mindestens einmal mit Invasion gedroht (ein armer Geisteskranker, der sich „Reichsmarschall“ nannte).

      Und die Tatsache, das sich gerade im Raum Villingen-Schwenningen-St.Blasien eine latente Neonaziszene gebildet hat die sich auch an die Reichsdeppenszene anlehnt ist durchaus bekannt.

  3. 24/05/2016 19:05

    Der SWR hat nun einen Filmbeitrag plus Artikel veröffentlich:

    Wie kriminell ist die „Reichsbürger“-Szene?

    • Mario Mariowotsch Schukowski permalink
      30/05/2016 02:06

      wie kriminell isn ditte?

  4. @ Gert L. permalink
    07/06/2016 15:20

    Hallo, Gert,

    Dein Beitrag war von WordPress (vermutlich weil er mehrere Links enthielt) in den Spam-Ordner verschoben worden. Ich wiederum hab zu schnell „Alles löschen“ gedrückt, so dass Deine Hinweise verschwunden sind. Pardon! 😦

  5. Gert R. Lauken permalink
    07/06/2016 18:04

    Vielleicht etwas für einen eigenen Beitrag (vgl. Fleischervorstadt-Blog vom 2.6.16). Es geht um den Greifswalder Juraprof. Ralph Weber (Näheres bei Wikipedia):

    „Weber nutzt seine universitäre Stellung, um sogenannten Reichsbürgern eine öffentliche Plattform zu bieten. So lud er am 22. Januar 2016 den “Botschafter des Freistaats Preußen” Thomas Mann nach Greifswald ein. Als Zusatzveranstaltung zur Vorlesung “Historische Grundlagen des Rechts” (Zielgruppe 1. Semester) geplant, verbreitete der Reichsbürger im Audimax der Hochschule sein verschwörungstheoretisches und antisemitisches Weltbild. So referierte er im Rahmen des Themas „Souveränität Deutschlands” über die Rothschilds, Iluminati, dass die „BRD GmbH” im Kriegszustand mit dem „Deutschen Reich” sei usw. Weber intervenierte zwar mehrmals, beendete die Ausführungen Manns jedoch nicht. Der „Botschafter” veröffentlicht Artikel, in denen er die Schuld Deutschlands am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs anzweifelt oder Menschen Wege aufzeigt, wie sie sich einen Führerschein des „Deutschen Reichs” beschaffen können11. Damit schlägt Weber eine Brücke zu der sektenartigen Gemeinschaft der Reichsbürger, die in den letzten Jahren deutschlandweit für Schlagzeilen sorgen.“

    Zu Thomas Mann findet sich etwas im Sonnenstaatland-Wiki.

    • 08/06/2016 14:36

      Danke!

    • Tofkas01 permalink
      10/06/2016 17:03

      Ein komplettes Armutszeugnis für die Universität. Ich hoffe mal das die Erstsemester nur noch Kopfschüttelnd rausgegangen sind und sich jetzt eine andere Universität suchen. Wenn eine Universität solchen Unfug zulässt, dann ist das mehr als nur peinlich, es ist ein Desaster für die Seriösität.

Trackbacks

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