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Das Affentheater des Adrian Ursache

22/10/2017

Affentheater im Landgericht Halle

„Ich bin kein Reichsbürger“, behauptete Adrian Ursache, als am 9. Oktober 2017 am Landgericht Halle das Verfahren wegen versuchten Mordes gegen ihn eröffnet wurde, nur um dann bei jedem Verhandlungstermin die altbekannten Reichsbürger-Argumente bis zum Erbrechen runterzuleiern.

Seine Zwischenbemerkungen dauerten jeweils ca. 15 Minuten, seine morgendlichen „Eröffnungsworte“ zogen sich sogar bis zu einer Stunde hin. Ein Verhalten, dass man auch von anderen Reichsbürgern kennt, insbesondere von Peter Fitzek.

Adrian Ursache wurde anfangs von zwei Pflichtverteidigern vertreten, er selbst hat nun Martin Kohlmann als Wahlverteidiger verpflichtet:

Karl Martin Kohlmann […] ist ein deutscher Rechtsanwalt und Politiker (Pro Chemnitz, DSU, früher Republikaner). […] Zu seinen Mandaten zählt auch der ehemalige Vorsitzende der NPD Günter Deckert. […] Martin Kohlmann ist Mitglied der Burschenschaft Arminia zu Leipzig. (Wikipedia)

Gleich bei seinem ersten Auftritt am 19.10.2017 legte sich Kohlmann für seinen Mandanten kräftig ins Zeug:

[…] Kohlmann, der für die rechte Bürgerbewegung Pro Chemnitz im Stadtrat seiner Heimatstadt sitzt, (lobt) einen von Adrian Ursache erneut gehaltenen Vortrag zu verfassungsrechtlichen Fragen als „zum Teil fundiert“ und „beeindruckend“. Das Gericht sei gefordert, die von seinem Mandanten aufgeworfenen Fragen zu beantworten. In diesem Zusammenhang nennt Kohlmann das Verfahren einen „politischen Prozess“. (Mitteldeutsche Zeitung)

Dem Anwalt ist offenbar entgangen, dass Adrian Ursache nicht wegen seiner politischen Ansichten vor Gericht steht, sondern wegen des Verdachts, Straftaten begangen zu haben, die ganz ordinär im StGB zu finden sind.

Wenn man sich Kohlmanns Vita anschaut, so verwundert es nicht, dass er das abstoßende Affentheater, das Adrian Ursache in Halle veranstaltet, für „beeindruckend“ hält und sogar von einem „politischen Prozess“ spricht.

Rechtsanwalt Hartwig Meyer zeigte entsprechend sein Befremden über die Äußerungen des neu hinzugekommenen Kollegen:

Er fühle sich „wie im Kindergarten“, sagt der Pflichtverteidiger aus Berlin, „wir haben hier aber einen Strafprozess zu führen“. Wenn versucht werde, die Suche nach der Wahrheit über das Tatgeschehen am 25. August vergangenen Jahres in Reuden zu einem politischen Prozess zu machen, dann „dient das dem Angeklagten nicht“. Dessen am Vormittag einmal mehr vorgetragenen „völlig rechtsirrige Einlassungen“ hemmten nur den Verfahrensfortgang. „Er hat, soweit ich weiß, nicht Jura studiert“, sagt Meyer, „wenn ihn diese Fragen interessieren, empfehle ich die Einschreibung an einer Universität, wo er Staatsrecht studieren sollte.“

Adrian Ursache und seine im Zuschauerraum anwesenden Anhänger zeigten sich daraufhin empört und artikulierten dies deutlich. Immerhin sind sie überzeugt davon, eine der ganz großen tiefgründigen Wahrheiten entdeckt zu haben … und tapfere Kämpfer für die Gerechtigkeit zu sein.

Während sich Pflichtverteidiger Hartwig Meyer unbeeindruckt von den sachfremden Einlassungen des Adrian Ursache und auch des neuen Wahlverteidigers zeigt, scheint der 2. Pflichtverteidiger, Manuel Lüdke durch den penetrant vorgetragenen Blödsinn seines Mandanten ein wenig weichgekocht zu sein:

Da der Prozess später zweifelsfrei in ein „verfassungsrechtliches Nachverfahren“ münden werden, rege er an, dem Angeklagten die immer wieder verlangte Auskunft über die Rechtmäßigkeit der Klage zu geben.

Ansonsten muss das, was am 19.10.2017 in Halle noch geschah, ein übler Schock für Adrian Ursache und die gesamte Reichsbürger-Szene gewesen sein:

Das Gericht unterbricht, berät sich und nach seiner Rückkehr verkündet (der Vorsitzende) Stengel, was er bereits mehrfach angedroht hatte: Der Angeklagte wird wegen Störung der Beweisaufnahme von der Verhandlung ausgeschlossen.

Adrian Ursache sitzt zu den anberaumten Gerichtsterminen also vorerst allein in einem Raum und kann niemanden mit seinen Volksreden beglücken, seine glühenden Verehrer können nicht seinen wundervollen Worten lauschen. Das muss gewiss die schlimmste Strafe für Adrian Ursache sein, schlimmer als 10 Jahre im Gefängnis – ein übler Verstoß gegen die Menschenrechte!

Für alle anderen, die keine Reichsbürger sind, ist es gewiss kein unangenehmer Gedanke, dass diesem Typen für einige Zeit keine Bühne für seine dummfrechen Äußerungen geboten wird. </div></td>

4 Kommentare leave one →
  1. Tofkas01 permalink
    22/10/2017 11:57

    Spricht nicht gerade für die 90er Jahre, wenn so ein Schmalspur-He-Man zum Mister Germany werden konnte. Was fand man denn an so einer Plastikpuppe?

    • Evil Dude permalink
      23/10/2017 14:59

      Was soll daran ungewöhnlich sein? Lebensgroße Plastikpuppen werden ständig als Kleiderständer eingesetzt und haben nichts im Kopf. Das passt doch perfekt zu „Reichsdeppen-Ken“ Das ein Schaufensterpuppe sprechen kann ist ungewöhnlich! 😀

    • 24/10/2017 02:36

      Was an der Type „Mr. Germany“ sein soll weiß ich auch nicht. Vielleicht galten „Planet der Affen“-Frisuren damals als besonders chic.

  2. Evil Dude permalink
    23/10/2017 14:55

    „Adrian Ursache sitzt zu den anberaumten Gerichtsterminen also vorerst allein in einem Raum und kann niemanden mit seinen Volksreden beglücken . . .“

    Da kann er schon mal Selbstgepräche üben! Dazu wird er bald vieeeel Gelegenheit haben in seiner Zelle! Die Richter nehmen sich hoffentlich ein Beispiel an denen des LG Nürnberg-Fürth!

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