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Zum Tode von Ernst Köwing. Der Honigmann schweigt für immer.

06/03/2018
Ernst Köwing und seine Bienchen

Symbolbild des Erfolgs

Wenn er selbstverliebt verkündete „Der Honigmann kommt…“, dann füllten sich die Hinterzimmer deutscher Provinzkneipen. Da wurde nicht mehr Skat gespielt, da wurde es hochpolitisch.

Die zahlenden Gäste (rekrutiert u. a. aus der jeweiligen örtlichen Jägerschaft sowie den Mitgliedern der Dorf-Feuerwehr) bekamen glasige Augen. Nicht, wie sonst, vom Saufen, sondern deshalb, weil sie den Offenbarungen des Ernst „Ernie“ Köwing lauschen durften. Ein wenig Staunen machte das schon, denn Köwing war weder eloquent noch charmant, auch an seinen Inhalten gabs nie besonders Spannendes zu entdecken. Im Gegenteil: den von ihm kolportieren Unsinn findet man im Netz an jeder Ecke.

Aber vielleicht war es gerade das, was bei seinem Publikum gut ankam: Das ewig Gestrige vermischt mit handelsüblichen Verschwörungstheorien, vorgetragen von einem farblosen Tattergreis, der es nicht einmal vermochte, sein anspruchsloses Publikum zum Tosen zu bringen.

Noch erfolgreicher als seine kostenpflichtigen Tourneen soll das Blog „Der Honigmann sagt…“ gewesen sein. Über 80 Millionen mal wären die Seiten über die Jahre hinweg angeklickt worden. Auch dort gab es nichts Besonderes zu entdecken. Die Artikel waren oft genug geklaut und enthielten in aller Regel rechtsradikalen & abergläubischen Dreck. Antisemitische Inhalte (inklusive Holocaustleugnung) wurden Köwing schließlich zum Verhängnis. Ende letzten Jahres musste er eine Haftstrafe antreten.

Schlimmer als die Artikel waren die jeweiligen Kommentarbereiche des „Der Honigmann sagt…“-Blogs. Köwings Leser waren und sind Sinnbild für all das, was im Ausland das Bild des „hässlichen Deutschen“ ausmacht: Hass & Dummheit in Reinkultur, Herrenmenschenarroganz und Pickelhaubenmentalität.

Am 24.02.2018 soll der Honigmann Ernst Köwing gestorben sein. Ob er vorher noch einmal wild um sich schlug, ist nicht bekannt.

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4 Kommentare leave one →
  1. Selim Yuzig permalink
    08/03/2018 18:25

    „Über die Toten nichts Schlechtes“, wird ja immer wieder behauptet.
    Aber wir sollten in diesem Falle einfach einmal eine Ausnahme machen..!

    Herr K. ist zeitlebens als radikaler Hetzer (noch dazu rechtskräftig verurteilt) berühmt und berüchtigt gewesen. Er ist nicht müde geworden, jahrelang seine tiefbraunen Ansichten in die Welt zu setzen und Fremdenhass einen Nährboden zu bieten.

    All das ging über dumpfe Stammtischparolen weit hinaus – Die werden wenigstens nicht in die Öffentlichkeit gebracht.

    Ruhen Sie in Unfrieden, Herr Köwing. Ihr Ansehen haben Sie schon zu Lebzeiten verwirkt.

  2. Susanne permalink
    14/03/2018 16:30

    Das Buch von Tobias Ginsburg: ‚Die Reise ins Reich: Unter Reichsbürgern‘

    Aktuelles Interview mit dem Autor:
    https://www.n-tv.de/politik/Als-Jude-undercover-unter-Reichsbuergern-article20333377.html

  3. Susanne permalink
    22/03/2018 23:26

    Heute Do 22.03., ab 23:15 ist jener Tobias Ginsburg bei ‚Markus Lanz‘. Mal sehen …

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